Nach dem wir in unserem ersten Fakt schon erklärt haben, warum New York City auch Big Apple genannt wird, gehen wir heute einer weiteren interessanten Geschichte nach. In der Weltmetropole gibt es ja bekanntlich Stadtviertel, die auf ihre Einwanderer schließen lassen, die in dieser Gegend leben bzw. gelebt haben: Chinatown, Koreatown & Little Italy, um nur einige zu nennen. Aber wie kommt es das es kein Little Germany oder Kleindeutschland gibt? Immerhin sind ja genügend Deutsche und Österreicher (vor allem vor und während dem Zweiten Weltkriegs) über New York City in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Hinter dieser Frage steckt eine interessante, aber auch traurige Geschichte, die wir heute im Rahmen der Facts about New York City-Serie entdecken werden.

 

 

Es gab durchaus ein Kleindeutschland mitten in New York: Als im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts viele Deutschstämmige über Ellis Island nach New York City einwanderten, siedelten sich diese an der Lower East Side in Manhattan an. Zu den Glanzzeiten von Kleindeutschland (oder im Englischen natürlich Little Germany genannt) lebten über 170.000 Menschen in diesem Stadtviertel. In dieser Gegend bildete sich eine große Gemeinschaft. Dank dieser gab es bald deutsche Bibliotheken und Schulen in New York. Auch Schützen- und Sportvereine wurden gegründet. Mit dem Einfluss der Deutschstämmigen gab es mit Sauerkraut und Bier deutschsprachige Ausdrücke, die ganz normal von den anderen New Yorkern verwendet wurden.

Am 15. Juni 1904 begann der Untergang von Kleindeutschland: An diesem Tag veranstaltete die evangelisch-lutherische St. Markus-Kirche für 1.300 Menschen ihr alljährliches Picknick, mit dem das Ende des Schuljahres gefeiert wurde. Für die Fahrt von Manhattan nach Long Island, wo das Picknick hätte stattfinden sollen, wurde der Raddampfer General Slocum eingesetzt. Kurz nach der Abfahrt am East River brach im Maschinenraum ein Feuer aus, welches sich rasch auf das gesamte Schiff ausbreitete. Löschversuche durch die Besatzungen schlugen, aufgrund der schlechten Schiffsausrüstung, fehl. Die General Slocum war zwar mit Rettungsringen und -booten ausgestattet, aber auch diese waren hoffnungslos veraltet und daher nicht mehr einsatzbereit. Bei diesem Unglück starben über 1.000 Menschen, meist Frauen und Kinder. Viele sprangen vor Panik in das Wasser und ertranken. Damals waren die meisten noch Nichtschwimmer.

Die Auswirkungen dieser Katastrophe führten zum Ende von Kleindeutschland in New York City. Im weiteren Verlauf der Geschichte ging die Gemeinschaft der Deutschamerikaner in die Brüche: Fast jede Familie hatte ein Todesopfer zu beklagen, Schulen hatten auf einmal keine Schüler mehr, Geschäfte mussten geschlossen werden. Manche Hinterbliebenen, die ihre Lieben bei dem großen Unglück am East River verloren haben begangen Selbstmord, da sie den Schmerz nicht mehr aushielten. Viele Deutsche zogen von New York City weg und siedelten sich in anderen Gegenden der USA an.

 

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